Im Januar mussten im Bally Park mehrere Bäume gefällt werden. Der Eingriff öffnet zurzeit eine neuen Blick auf Niedergösgen, ganz im Sinne der englischen Landschaftsgärten. Es wird aber ein neues Wäldchen gepflanzt werden.
Zur Zeit des Barocks war Frankreich prägend in der Gartengestaltung. Dabei wurde die Natur teilweise in geometrische Formen und gerade Begrenzungen gezwängt. Der englische Landschaftsgarten war die Abkehr von dieser Zucht und Strenge und versuchte die Natürlichkeit der Natur in den Fokus zu stellen. Man sollte in diesen Parks wie in einem Landschaftsgemälde herumspazieren können. Dabei eröffneten sich immer wieder überraschende neue Ausblicke auf die Natur und die Umgebung. Nach diesem Konzept ist der Bally Park vor rund 150 Jahren erstellt worden.
Damit die Anlage möglichst authentisch erhalten bleibt, braucht es Pflege. Jeden Herbst wird daher jeder Baum kontrolliert und je nach Vitalität werden Massnahmen festgelegt. Über mehrere Jahre verschlechterte sich der Zustand der Fichten beim Schlittschuhweiher, diese Baumart ist anfällig auf Hitze und Trockenheit. Damit stellten diese Bäume ein Sicherheitsrisiko für die Besucherinnen und Besucher des Bally Parkes dar. Insgesamt wurden im Januar 14 Bäume gefällt. Im Herbst werden als Ersatz wieder Fichten gepflanzt werden, da man die Parkanlage möglichst original erhalten will.
Bei der Pflanzaktion Ende Jahr werden mehr Bäume gepflanzt, als gefällt worden sind. Auf Luftaufnahmen hatte man festgestellt, dass das Wäldchen aus deutlich mehr Bäumen bestanden hatte. Fünf der neuen Nadelbäume haben bereits eine Gotte, einen Götti bekommen. Etwa 10 Anfragen stehen noch im Raum. Für die restlichen werden immer noch Baumspenderinnen und -spender gesucht. Interessierte für Baumspenden wenden sich an Silvia Glanzmann, Mitglied der Betriebskommission; erreichbar unter s.glanzmann@gassler.ch
Im OT war zu lesen, dass unter Umständen für den Wegtransport der Stämme ein Helikopter zum Einsatz gekommen wäre. Die tiefen Temperaturen vor Kurzem erübrigten diesen Abtransport. ‘Das wäre zwar spektakulär gewesen, war aber lediglich eine Option und hätten wir uns gar nicht leisten können. Eine solche Aktion wäre auch nicht gut angekommen’, so Silvia Glanzmann
Mit der Fällaktion ist unfreiwillig das Element der gerichteten Ausblicke, wie es typisch ist für den englischen Landschaftsgarten, umgesetzt worden. Denn jetzt öffnet sich ein weiter Blick auf die Schlosskirche und das Dorf Niedergösgen. Bisher war dies nur vom Rondell mit dem Trompetenbaum aus möglich gewesen.
Bis der Nadelbaumvorhang das Dorf auf der andern Flussseite wieder versteckt, wird es wohl einige Zeit brauchen; die neuen Bäume werden eine Höhe von etwa 3 Metern haben.
Zum Schluss noch dies: Wenn Sie vor der Baumfällung auf der Brücke zwischen den beiden Weihern gestanden sind, in Richtung Kosthaus geschaut haben und links vom Schlittschuhweiher die Fichten und rechts davon die Laubbäume gesehen haben: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen? Das Leben?
Das war die Absicht des Bally Park Planers. Mit dem dunklen Tannenwald stellte er die Schwere und Traurigkeit und mit den lichten Laubbäumen die helle Seite des Lebens dar.
Die aktuelle Situation lässt wohl eher die Erinnerung an die Tatsache wach werden, dass Niedergösgen und Schönenwerd vor dem Bau der Brücke weit auseinander gelegen sind, nur verbunden durch eine Fähre.




