Der Solothurner Krimiautor Christoph Gasser ist von der Redaktion des Gretzebachers zu einer Vorlesung eingeladen worden. Rund 40 Personen folgten seinen Textauszügen. Vielleicht wird unser Dorf mal auch Einzug in eines seiner Bücher bekommen.
Eine Lesung gehört ins Kulturprogramm des Gretzebachers. Der letztjährige Anlass musste leider ausfallen, daher zeigte sich die Kulturverantwortliche der Redaktion sehr erleichtert, ‘dass so etwas wieder einmal stattfinden konnte.’ Auch bezüglich Publikumsaufmarsch war sie sehr zufrieden. Die Lesung ist unterstützt worden von der Gemeinde Gretzenbach und der Kulturförderung des Kantons Solothurn, die so die heimische Literatur fördern will.
Christoph Gasser hat nie in Gretzenbach gelebt, seine Wurzeln sind hier. Seine Mutter ist eine Hiesige und so war er immer wieder in der Sagi auf Besuch. Er freute sich denn auf diese Lesung ‘auf heimischem Boden’. Die Zuhörer begrüsste er mit den Worten: ‘Lesungen geben immer die Möglichkeit, dass die Leser den Autor sehen – und der Autor die Leser. Sonst bleibt man sich ja immer anonym.’
Seine Berufsentscheidung zum Schriftsteller begründete er so: ‘Pilot und Lokiführer waren alle bereits vergeben, so bin ich Schriftsteller geworden.’ Der profane Grund war, dass er sich nach langjähriger Berufstätigkeit im In- und Ausland nach etwas Neuem umgesehen hatte und sich dabei an seine Vorliebe erinnerte, Geschichten zu schreiben. Geschichten hören und lesen haben ihn schon als Kind begleitet.
Der Autor las aus dem neuen Buch ‘Wenn die Schatten sterben’ vor, einem Wirtschaftskrimi aus der Zeit Nazi-Deutschlands. Darin spielt eine Waffenfabrik in Zuchwil eine Rolle, die der Autor noch gekannt hat. Interessant ist der geschichtliche Zusammenhang zu dieser Fabrik. Nach Ende des ersten Weltkrieges musste Deutschland als Verlierer seine Waffenproduktion zurückfahren. Die Strategie war dann, im Ausland Beteiligungen an Waffenfabriken zu erwerben, so auch an jener bei Solothurn. Der Bundesrat wollte dabei ursprünglich die Betriebsbewilligung verweigern, gab später dem Druck nach – mit der Auflage, dass keine Waffen nach Deutschland ausgeliefert werden sollen. Nachweislich sind aber Waffenausfuhren in Länder gegangen, die mit Deutschland liiert gewesen sind. Soweit die Ausführungen des Schriftsteller.
Liest er selbst Krimis?
‘Ich lese sehr gerne skandinavische, deutsche und Schweizer-Krimis. Im kommenden Jahr muss ich für die Bewertung eines Preises 150 Kriminalromane lesen.’
Warum schreiben Sie Krimis und keine Liebesromane?
Als ich mit dem Schreiben begonnen habe, habe ich viele Krimis gesehen und gelesen. Und es gab keinen Solothurner Krimi.
Ich schreibe gerne über Menschen. Ein Verbrechen ist ein guter Einstieg um über Menschen zu schreiben.’
Legen Sie Ihre Bücher der Polizei zu Gegenlesen vor?
Ich habe sehr gute Kontakte zur Kapo, zur Staatsanwaltschaft und zur Rechtsmedizin. Wenn ich zu Schreiben beginne, mache ich eine Vorrecherche und nach Beendigung des Buches eine Nachrecherche zur Klärung der Details.’
Zur Freude aller Christoph Gasser Fans: Der nächste Titel erscheint Mitte des kommenden Jahres und trägt den Titel ‘Solothurn blickt in den Abgrund’. Olten taucht darin bereits auf. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis eine Episode in Gretzenbach spielt
Was macht den Krimiautor Gasser so speziell? ‘Ich lese nicht so viele Krimis, aber der Bezug zu Solothurn war der Anlass, ihn zu lesen und hierher zu kommen. Und er schafft es, die Spannung bis zum Schluss zu halten.’
‘Ich finde es sagenhaft, wie er schreibt und den Bezug zum Lokalen schafft.’ So Einschätzungen von Anwesenden.
Eines ist sicher. Christoph Gasser ist ein eloquenter Erzähler, das hat er anlässlich der Lesung gezeigt. 5 Geschichten von ihm können auf dem Schweizer Schriftstellerweg in Olten gehört werden.
Und nun ist auch klar, warum im Buch ‘111 Orte im Kanton Solothurn, die man gesehen haben muss’ der buddhistische Tempel vorgestellt wird. Christoph hat 11 Jahre in Thailand gelebt.
Ein Wiedersehen am Rande
Vor 50 Jahren sind die beiden Herren zusammen in Zuchwil zur Schule gegangen. Danach haben sie sich aus den Augen verloren und erst wieder anlässlich der Lesung getroffen.